Auf und nieder immer wieder....

  .. das könnte das Motto sein für den neu ins Leben gerufenen Aschaffenburger City-Halbmarathon, denn das Streckenprofil ist doch relativ wellig. Dadurch wird es aber nie langweilig, die TeilnehmerInnen, vor allem auch die schnellsten, waren einhellig der Meinung: „Das war kurzweilig!“, „Das hat Spaß gemacht“ oder gar „geil“.

 

Los ging’s an der Unterfrankenhalle, die den TeilnehmerInnen der früher ausgerichteten Mainuferläufe (10 km und Marathon) schon bestens als Wettkampfzentrum bekannt ist. Hier gibt’s genügend Parkplätze, viel Platz für hungrige und feierwillige Finisher (normalerweise spielt hier der TV Großwallstadt seine Bundesliga-Heimspiele), ausreichend Toiletten und Duschen. Die Strecke führte über die B26 in die Aschaffenburger City. Natürlich gab’s im zu durchlaufenden Tunnel Halligalli, bevor man die Innenstadt erreichte. Andreas Zenglein, Chef des ausrichtenden TV Haibach hatte den Läufern schon beim Start mit auf den Weg gegeben: „Wenn Ihr 6x an mir vorbei seid, dürft Ihr ins Ziel laufen“. 5x mußte man nämlich die City auf einer knapp 3 km langen Strecke umrunden und sowohl der Hinweg als auch diese Runde haben es in sich: Anstiege wechseln sich ab mit Gefällen, beides verbunden durch einige flache Passagen. Allerdings sind sowohl Anstiege als auch Gefälle nie so lang, daß es richtig schwer geworden wäre. Bei 5 Runden bleibt es außerdem natürlich nicht aus, daß die Schnellen die Langsamen überholen. Aber auch das stellte offenbar kein größeres Problem dar, die Straßen von Aschaffenburg sind breit genug. Da die Strecke eh ein bißchen eckig ist, war hin und wieder Slalom laufen zu müssen kein größeres zusätzliches Hindernis. Das Ziel war dann vor der Hypovereinsbank mitten in der Stadt, von dort gab es einen Transfer mit 3 Stadtbussen zurück zur Unterfrankenhalle.

 

Mit vorher nie erwarteten 859 Voranmeldungen waren die Aschaffenburger förmlich überrollt worden. Es spricht für das Team um den am Ende des Tages auch sehr zufriedenen Andreas Zenglein, daß die Veranstaltung wirklich reibungslos über die Bühne ging. Anfänglich war mal für die ersten 500 VoranmelderInnen ein T-Shirt ausgelobt, die Sponsoren hatten dann Anfang September schon auf 750 erhöht und der TV Haibach zahlte letztlich noch mal 100 Stück aus eigener Kasse, damit auch jeder ein Shirt mit nach Hause nehmen konnte. Eigentlich wurde am 30.09. übers Internet und die örtliche Presse verkündet, daß keine Nachmeldungen mehr angenommen würden, aber natürlich schickte man niemanden nach Hause, der sich am relativ unwirtlichen frühen Sonntagmorgen aus den Federn geschält hatte, um nachgemeldet Halbmarathon zu laufen. Trotz der vorab per Überweisung zu zahlenden Startgebühr holten einige ihre Nummern nicht ab, so daß man von ca. 790-800 StarterInnen ausgehen kann. Ins Ziel kamen am Ende 731, der letzte in 2:27:02 h.

 

Einmal mehr zeigten sich die Wettergötter gnädig und so war es beim Start um 9:30 h zwar noch recht kühl (allerdings sind wir nach diesem langen Sommer auch sehr verwöhnt), aber es blieb den ganzen Vormittag über trocken. Das dürfte vor allem auch die vielen LäuferInnen gefreut haben, die heute hier ihren ersten Halbmarathon gelaufen sind.

 

Als Rhein-Main-Läufer merkte man gleich, daß man die Grenze nach Bayern überschritten hatte. Die Zahl der bekannten Gesichter war sehr gering, das Gros der LäuferInnen kam aus der weiteren Aschaffenburger Umgebung.

 

Für die auf den ersten Blick relativ viel erscheinenden 12 € Startgeld wurde auch viel geboten: Shirt, Massage, Bustransfer – und auf jeder Runde, also alle 3 km, eine Verpflegungsstelle, die neben Wasser auch noch Iso, Cola und Tee im Angebot hatte. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Im Ziel gab’s dann noch zusätzlich Bananen, Limo und Malzbier und alles satt. Zudem konnte jeder Teilnehmer gleich noch seine Urkunde mit nach Hause nehmen und wer nicht mehr da war, bekommt sie in den nächsten 14 Tagen nachgeschickt.

 

Die Aschaffenburger haben zahlungskräftige Sponsoren, die sich nicht lumpen ließen und so konnten die erste Frau und der erste Mann sogar je einen DVD-Player mit nach Hause nehmen. Einer der Sponsoren, eine Fahrschule, hatte sich dazu noch aktiv am Zuschauergeschehen beteiligt und ein ganzes Stimmungsnest vorm eigenen Laden aufgeboten. Im Zielbereich war außerdem noch die Hölle los, ansonsten sind die Aschaffenburger beim Hypovereinsbanklauf doch noch ein bißchen agiler, aber was nicht ist, kann ja noch werden. So ein Sonntagmorgentermin muß sich erst mal in den Köpfen der Anwohner festsetzen.

 

Gewonnen hat den ersten Aschaffenburger City-Halbmarathon ein Lokalmatador, der sogar direkt an seiner Haustür vorbeilief: Klaus Brantsch, der für LUT Aschaffenburg startet. Bei km 13 überholte er den bis dahin führenden Helmut Marenholz und ließ diesem keine Chance, wieder aufzuschließen. Klaus kommt eigentlich von der Bahn und ist ein guter Crossläufer, daher kam ihm die wellige Strecke auch sehr entgegen. Sein Trainer, Fritz Schmidt, hat ihn in vielen Jahren gemeinsamer Arbeit von der Bahn auf die Straße gebracht. Bevor er bei seinem jetzigen Verein unterkam, lief er einige Jahre für den USC Mainz und auch fürs hessische Gelnhausen. Vor zwei Wochen wurde er noch unterfränkischer Meister über 10 km, heute lief er in 1:11:29 h zum Sieg.

 

Der Hessische Marathonmeister Helmut Marenholz ist seit Donnerstag leicht erkältet, gewann aber dennoch am Freitag in Traisa den 10er und zeigte sich nach langer Durststrecke einmal mehr sehr zufrieden mit seiner Form und seiner heutigen Zeit von 1:12:49 h. Auch er lobte die Strecke sehr und will nächstes Jahr wiederkommen. Sein nächstes Ziel ist aber erst mal der 10 km-Lauf kommenden Samstag in Groß-Umstadt.

 

Als Dritter lief ebenfalls ein Hesse über die Ziellinie in der Weissenburger Straße: Torsten Zervas von der LG Seligenstadt kommt eigentlich vom Gehen, war 1988 Deutscher Meister über 20 km in dieser Disziplin. Nach einer Meniskus-Operation im April hat er über Sommer langsam wieder aufgebaut und auch an einigen Triathlons teilgenommen. Letzte Woche bei den Berglauf-Weltmeisterschaften kam er, von zwei Hornissenstichen wortwörtlich angestachelt, als drittbester Deutscher ins Ziel. Nach 1:13:59 h kam er heute beim zeitnehmenden top-time-Team an.

 

Die schnellste Frau war ebenfalls eine Lokalmatadorin: Sabine Hock startet für den ausrichtenden TV Haibach und kam als Gesamt-15. nach 1:21:07 h ins Ziel. Die Siegerin des diesjährigen Brüder-Grimm-Laufs lief nicht nur neue persönliche Bestzeit, sondern gleich auch noch neuen unterfränkischen Rekord. Die halbtags berufstätige Mutter einer Drittkläßlerin findet dann Zeit zum trainieren, „wenn andere vielleicht auf der Couch sitzen und ein Buch lesen“.

 

Die Zweite kam 8 min nach Sabine, aber auch mit einer neuen persönlichen Bestzeit, die ihre alte vom Frankfurter Halbmarathon im März um fast 8 min unterbot: Nicole Hotopp vom SV Schramberg gewann letztes Jahr an gleicher Stelle den 10 km-Lauf. 1:29:29 h ist ab sofort ihre neue Meßlatte.

 

Dritte wurde Elke Schmidt-Brückner vom DJK Mömbris in 1:35:37 h.

 

Mit von der Partie war auch der TV Haibacher Marco Schreck. Mit 1:17:41 h als 8. im Ziel, hatte er heute einen letzten schnellen Testlauf für den in 2 Wochen in Hawaii stattfindenden Ironman absolviert. Zum vierten Mal hat er sich qualifiziert und strebt natürlich an, seine in 1999 aufgestellte Hawaii-Bestzeit von 9:40 h zu unterbieten.

 

Transeuropaläufer Stefan Schlett aus Kleinostheim wollte auf der „Kurzstrecke“ mal wieder sehen, ob der auch noch schnell laufen kann. Mit 1:25:59 h landete er auf Platz 56 und damit noch auf der ersten Seite der zwölfseitigen Ergebnisliste.

 

Die Kuchentheke in der Unterfrankenhalle war übrigens voll mit frischgebackenen Köstlichkeiten – Laufreporterinnenherz, was willst Du mehr? Naja.. vielleicht kann ja der Hausmeister nächstes Jahr davon überzeugt werden, die Heizungsanlage ein paar Stunden früher hochzudrehen, damit auch noch der/die Letzte warmes Wasser zum duschen hat.

 

In 2004 liegt der Termin der Aschaffenburger zeitgleich mit dem Griesheimer Traditionstermin, denn der erste Oktobersonntag ist dann der 03.10.. Dann soll auch die Strecke noch ein bißchen modifiziert werden. Wenn’s nach Andreas Zenglein geht, wird dann nicht mehr unten an der Halle, sondern direkt oben auf der B26 gestartet und das Ziel ist dann direkt vorm Schloß, was auch den Verpflegungsbereich ein bißchen großzügiger werden läßt.

 

Die kompletten Ergebnisse kann man entweder bei www.top-time.de abrufen oder direkt auf der Veranstaltungsseite www.softfair.net/citylauf

 

 

für laufreport im Oktober 2003