Der Sammler vom Main: Uli Amborn

„Was gibt es über mich schon zu berichten? Nicht verheiratet, keine Kinder.“ – das war die Reaktion von Uli Amborn, in der Szene Dank der flinken Zunge seines Kollegen Jochen Heringhaus auch bekannt als Ali Umborn, als ich ihn anrief und ankündigte, ein Portrait von ihm machen zu wollen. Nun – ich erlebte einen kurzweiligen Abend mit dem gebürtigen Offenbacher und studierten Geographen und ob das, was es von ihm zu berichten gibt, interessant ist oder nicht, muß jede/r für sich entscheiden.

 

Geboren ist Uli am 22. September 1957, dazugelernt hat er nach eigener lachender Aussage nichts. Er läuft seit 1982 oder 1983 und absolvierte seinen ersten Volkslauf im Rahmen des ersten Offenbacher Halbmarathons 1983 in einer „nicht so schlechten Zeit“. Seitdem führt er akribisch Lauftagebuch – auch im EDV-Zeitalter noch immer zu Fuß in dicken Kladden. 94.130 gelaufene km, viele davon in insgesamt 755 Wettkämpfen, sind das Additionsergebnis von 1983 bis heute. Seit 1986 hat er durchschnittlich 15 km am Tag bzw. 105 km in der Woche trainiert, Verletzungs- und ähnliche Pausen allerdings eingerechnet. Trotzdem gibt es wenige Wochen, in denen er es auf 150 km und mehr schafft. Bei der Frage nach evtl. Trainingsplänen schüttelt er energisch den Kopf. Sowas gibt’s im Hause Amborn nicht, allenfalls werden alte Trainingsaufzeichnungen als Ratgeber für aktuell anstehende Laufvorbereitungen hinzugezogen.

 

Seine recht umfangreiche Trophäensammlung verwahrt Uli ineinandergestapelt auf dem Schrank, im Keller und im Ferienhaus seiner Mutter, hin und wieder spendet auch mal alte Pokale zur Wiederverwendung bei Volksläufen seines Heimatvereins, der LG Offenbach. Und noch etwas sammelt Uli leidenschaftlich: Landkarten und seine alten Laufschuhe. So roundabout 90 Paare befinden sich überall in seiner Wohnung und im Keller.

 

Einem Laufanfänger würde er mit auf dem Weg geben, sich um gute Schuhe zu bemühen, viel zu dehnen und ansonsten auf keinen Fall so zu trainieren wie er selbst.

 

Als Alternativsportarten zum Laufen gibt er zähneknirschend „Aquajoggen“ an (das ist im Moment aufgrund seines Ermüdungsbruchs aus der Not geboren) und Rasenmähen.

 

Auf die berühmte Helge-Frage „Wenn Du im nächsten Jahr nur 3 Volksläufe absolvieren dürftest, für welche würdest Du Dich entscheiden?“ fällt dem Vielstarter die Antwort nicht leicht. Am Ende nennt er mir den Brüder-Grimm-Lauf, einen 100 km-Lauf im Rahmen des Welt- oder Europacups und den Hornisgrinde-Marathon in Bühlertal. Dort ist der 2002 schon zum 14. Mal gestartet und muß beim Veranstalter nur noch Bescheid sagen, falls er mal NICHT antreten möchte.

 

Sollte er morgen auf eine einsame Insel verbannt werden, würde er sich CDs von Vangelis, Pink Floyd und Bach (Orgelmusik) mitnehmen, alles Musik, die er sich auch bei langen Alleinläufen im Walkman mit auf die Strecke nimmt – die Frage nach den 3 Büchern habe ich aufgrund seiner Aussage, eher ein Lesemuffel zu sein, wieder zurückgezogen.

 

Sein persönliches Motto nannte er augenzwinkernd: gutes Training muß weh tun.

 

Da Uli sich keine Witze behalten kann, blieb meine Frage nach dem, über den er in letzter Zeit am meisten gelacht hat, leider unbeantwortet.

 

Ich kenne Uli außerdem als gnadenlosen und konsequenten Ausläufer („manchmal tut’s ganz schön weh, aber man muß sich dazu zwingen“) und bekennendes Süßmaul Kuchenthekenfan. Daß er sich die Stücke oft vorher reservieren läßt, entschuldigt er mit seinem umfangreichen Auslaufprogramm, das natürlich auch zeitaufwendig ist.

 

Zu einem Läuferportrait gehört auch noch ein bißchen Zahlenwerk: Zum einen wäre da natürlich die Bestzeiten zu nennen:

 

10.000 m                     33:04 min         gelaufen 1992

10 km                          32:41 min        gelaufen 1992

Halbmarathon            1:11:41 h            gelaufen 1988

Marathon                  2:28:13 h            gelaufen 1992

100 km                     6:48:36 h            gelaufen 1997

 

Uli der Datensammler hat 16 Wettkämpfe über 100 km gezählt, 28 Läufe zwischen 50 und 100 km und 64 Marathons. 6x ist er bisher für das Ultra-Nationalteam gestartet, seine größten Erfolge waren hier die Bronzemedaille in der Mannschaftswertung beim 100 km-Weltcup 2001 sowie der 15. Platz in der Einzelwertung in Winschoten 1995 (ebenfalls Weltcup). 7x war er Hessenmeister über 100 km und 3x reichte es zum 3. Platz bei der DM.

für laufreport.de anläßlich Ulis 45. Geburtstag im September 2002