Guten Morgen ohne Sorgen, meine Lieben!

  

Anderswo heißt der Frühstückslauf, dieser langsame, gemütliche 5 km-Citylauf am Vortag des Marathons – in Frankfurt nennt er sich „Brezzellauf“. Aber für ein Frühstück ist es zur Startzeit um 11 h auch fast zu spät. Obwohl die Frankfurter schlechtes Marathonwetter gewohnt sind, war der Römerberg gegenüber den Vorjahren doch relativ leer an diesem Samstagmorgen. Nichtsdestotrotz kamen sicher einige Hundert zusammen, die sich diesen Spaß nicht entgehen lassen wollten. Schon vor dem Lauf gab’s das obligatorische T-Shirt und die meisten schlüpften auch gleich rein. Da in der Ausschreibung dieses Rahmenprogrammpunktes nichts davon stand, daß es einen Gepäcktransport geben würde, hatten sich viele darauf eingerichtet, sich nicht umziehen zu können – oder einfach trockene Sachen im Rucksack, der dann mit auf die Strecke genommen wurde. Dabei hätte man so bequem eine Tasche abgeben können, wenn man es denn vorher gewußt hätte. 2 Minuten vor 11 h begrüßte VanMan Jochen Heringhaus Uta Pippig als prominente Mitläuferin. Uta unterstrich ihre Namensnähe zu einer mindestens ebenso berühmten schwedischen Kinderbuchfigur durch mit verschiedenfarbigen Haargummis zu Zöpfen gebundenen Haaren, begrüßte die Läuferschar gutgelaunt (siehe Überschrift) und dann ging’s unter der Führung von Spiridon Frankfurt auf die etwa 4 km lange Runde durch die Stadt. Da der direkte Weg vom Römer zur Messe deutlich kürzer ist, wurde erst mal eine große Ehrenrunde gedreht: vom Römer über die aufgrund des Umbaus zur Kulturmeile (die Frankfurter haben’s ja) aufgerissene Braubachstraße hoch zur Hauptwache, über den Roßmarkt und nahe des Goethehauses durch die Straße „Am Salzhaus“ wieder runter zur Berliner Straße. Danach ging’s mit Geschrei, Gepfeife und vielen La-olas durch den Theatertunnel und dann durch das Bahnhofsviertel direkt zur Messe. Ziel war hinter der Festhalle, am Hemmerichsweg, von wo aus seit Jahren schon Konzertbesucher in die Halle gelassen werden. Dort gab’s Säfte und Brezzel satt und eine Autogrammstunde mit Uta Pippig, die nach eigener Aussage notfalls so lange auf T-Shirts kritzeln wollte, bis ihr die Hand abfalle. Ich denke, so weit kam es dann doch nicht..

 

 

 

Einige Stunden später war Jochen schon wieder im Einsatz, denn um 15 h startete auf der anderen Seite der Festhalle der Struwwelpeterlauf über 400 m für Kinder Jahrgang 1994 und jünger. Durch eine Fehlinformation in der Tagespresse und auf der eigenen Seite des Frankfurt-Marathons hatten sich einige Kids schon gegen 14 h am Ort des Geschehens eingefunden, tatsächlich gestartet wurde aber erst um 15 h. Zum Glück gab’s in der Halle genug warme Plätzchen, um die Zeit geschützt vorm draußen heftig wehenden kalten Wind zu überbrücken. Der Struwwelpeterlauf ist ein reiner Spaßlauf, es gibt weder Sieger noch Verlierer, jedes Kind erhält eine Urkunde, ein T-Shirt und nach dem Zieleinlauf Saft, Brezzel, Apfel und eine bunte Papierkrone. Trotzdem wurde natürlich losgerannt, was das Zeug hielt und so gab es schon im ersten Drittel des Feldes einen Massensturz, der so manche Träne hervorlockte – und Aufgaben produzierte. Die meisten Kinder hatten sichtlich Spaß am Lauf – aber sehr erstaunlich und auch bedauerlich ist immer wieder bei Kinderläufen, wie viele ehrgeizige Eltern ihre Kinder heulend hinter sich herzerren, bis diese endlich das Ziel erreicht haben. Kaum zu vermuten, daß man die später mal freiwillig irgendwo auf einer Laufstrecke sieht...

 

 

für laufreport im Oktober 2003