Chaos am Rande des bundesdeutschen Musterdorfs   

 

Haßloch ist das bundesdeutsche Musterdorf, das von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) als Testmarkt genutzt wird. Das Großdorf gehört zum Landkreis Bad Dürkheim. Es erstreckt sich auf einer Fläche von knapp 4000 Hektar und ist mit seinen rund 21.000 Einwohnern das größte Dorf von Rheinland-Pfalz. Soviel zu den „surroundings“ um den 31. Hasslocher Nikolauslauf, bei dem außer einem 600 m-Kinderlauf 7 km und Halbmarathon auf der Agenda stehen.

 

Alles könnte so schön sein bei diesem Waldlauf über dreimal 7 km, denn die Strecke führt einfach immer nur schnurstracks durch den Wald, wenn das Wetter einigermaßen stabil ist, sind die Wege, wie auch in diesem Jahr gut laufbar. Bei etwas feuchteren Verhältnissen versinkt man stellenweise wohl gerne auch schon mal im Matsch.

 

Aber dafür ist es Winter, da darf der Boden auch ruhig etwas tiefer und schwerer sein. Bei seiner 31. Durchführung war der Hasslocher Nikolauslauf aber keine reine Laufveranstaltung. Vielmehr war es ein SWR-Medienspektakel unter Beteiligung von Otto Normalläufer.

 

Was war passiert? Das SWR-Projekt „Von 0 auf 42“, bei dem Nichtläufer innerhalb eines Jahres auf Marathondistanz getrimmt werden, hatte sich diesen Halbmarathon als Testlauf nach gut einem ½ Jahr Projektzeit ausgesucht. Schon Tage vorher stand fest: etwa 400 Gelbhemden werden die Strecke zusätzlich zu den üblichen Teilnehmerzahlen füllen, unter ihnen als prominentes Zugpferd auch noch Dieter Baumann. Fast schon klar, dass die Zielzeit auch noch schnell von 2:30 h auf 3 h verlängert wurde. Voranmeldungen sind in Haßloch nicht erwünscht, das SWR-Team war allerdings vorangemeldet, für sie gab es zwei gesonderte Tische zum Abholen der Startnummern.

Was allerdings niemand bedacht hatte: eine „lockere“ Verdopplung der Teilnehmerzahlen geben weder Strecke noch Logistik her und so brach schon vorm Lauf das Chaos aus: das Wechselgeld ging aus, die HelferInnen wurden den heranströmenden Massen nicht mehr Herr. So wurden denn alle Starts um eine Viertelstunde verschoben – das SWR-Kamerateam brauchte auch noch 10 min, um einen Start mit möglichst vielen „Von 0 auf 42“-Hemden in der ersten Reihe fernsehtauglich zu simulieren. Normale Läufer, die sich gerade warmliefen, wurden dazu einfach mal von der Strecke geschickt.

Letzten Endes knallte der Startschuß zum Halbmarathon nicht, wie angekündigt, 15 min verspätet, sonder nur 10 min später. Was dann dazu führte, dass einige derer, die sich auf die Verspätung eingerichtet hatten, gerade erst vom Einlaufen zurückkamen und sich von der Seite ins Läuferfeld einreihen mussten, weil sie das Startbanner nicht mehr rechtzeitig erreichten.

 

Für die, die nicht in den ersten drei Reihen standen, wurden die ersten Meter zu einem Hindernisparcours. Ein dreiköpfiges Kamerateam stand mitten auf der Strecke, gut 100 m später lief man auf einen TV-Kombi auf, der die gesamte Streckenbreite brauchte, weil das Drehbuch vorsah, Dieter Baumann und seine Gruppe, die mit ihm unter 2 h laufen wollte, beim Loslaufen zu filmen. Daß dadurch Dutzende von ganz normalen Wettkampfwilligen behindert wurden, störte nur diese selbst.

 

Ach ja.. man hatte zwar mit einem großen Ansturm gerechnet, aber die vorbereiteten 1.200 Startnummern waren letzten Endes zu wenig. Ausweg? Ist doch ganz „einfach“: die, die keine Startnummer mehr bekommen haben, wurden ohne auf die Strecke geschickt. Mit sich trugen sie den rosa Anmeldezettel, den sie im Ziel dem Zeitnehmerteam Baumann in die Hand drückten, ihre Zeiten wurden auf dem Zettel notiert und später manuell in die Ergebnisliste eingeflickt – alle anderen wurden mittels Strichcodescanner erfasst, was ja grundsätzlich und eigentlich zu einer schnellen Auswertung führen soll (und üblicherweise natürlich auch funktioniert). Ca. 130 LäuferInnen mussten so im Ziel verarztet werden – ganz klar, dass sie auch am Sonntagmorgen noch mit lauter Fragezeichen versehen in der Ergebnisliste standen – so eine Mehrarbeit muß erst mal geschafft werden. Das erste Fragezeichen findet man bei einer Zieleinlaufzeit von 1:40:26 h – bleibt zu hoffen, dass der- oder diejenige nicht so um einen Altersklassenplatz gebracht wurde.

 

835 Finisher findet man auf der Halbmarathonliste und damit rund 400 mehr als im Vorjahr. Auf der Kurzstrecke kamen 350 gegenüber 239 in 2003 ins Ziel. Die letzte Läuferin wurde nach 3:19:04 h gestoppt – da war’s schon dunkel im Hasslocher Wald. Von den letzten 100 LäuferInnen waren 85 SWR’ler, von den letzten 60 gar 55.

 

Drei Runden à 7 km bringen es mit sich, dass die Schnellen die Langsameren überrunden – auch das wurde für Viele zur Schwerstarbeit – so viele Laufanfänger auf der Strecke wissen eben nicht, dass man rechts läuft, wenn Überrundung droht. Dazu kamen natürlich noch die üblichen Verdächtigen, die bei jedem Volkslauf aus den ersten Reihen starten, obwohl sie eher in die letzten gehört hätten – laute Flüche waren, vor allem auch zu Laufbeginn, an der Tagesordnung.

 

Beim 7 km-Lauf kamen Drei unter 25 min ins Ziel und das innerhalb von 8 Sekunden. Gewonnen hat die Runde Sven Wissing mit 24:26 min, gefolgt von Willi Jung (LLG Schifferstadt) mit 24:29 min. Und schon auf Platz 3 findet man die erste Frau: Diana Greger, aktuell zusammen mit ihrem Mann unter Portraits im Laufreport (klick HIER) vorgestellt, brauchte nur 24:34 min. Die zweitschnellste Frau war fast 3 min langsamer, Simone Brück vom TV Herxheim kam nach 27:11 min am Zieltransparent an.

Den Halbmarathon dominierte eindeutig Patrick Klein vom TV Rheinau. Der 29jährige brauchte 1:11:48 h und hatte damit einen soliden Vorsprung auf Carsten Bresser vom TV Hatzenbühl, Zweiter in 1:16:23 h und Jürgen Binder von der LG MuLi in 1:17:47 h. Die Altersklassen werden in Hassloch nur in 10-Jahres-Schritten registriert. Carsten Besser gewann in der M30 und Jürgen Binder war Bester der M40.

Die schnellste Frau lief als Gesamt-20. am SWR-Spektakel (LKW mit Bühne und einer Sprecherin, die auch nur die „Von 0 auf 42“-Läufer beachtete sowie Infostand) vorbei, sie brauchte 1:25:20 h. Branka Hajek kommt vom TSV Ilshofen und hielt die Konkurrentinnen gehörig in Schach. Erst 50 Plätze hinter ihr kam W40erin Angela Petersen von der TSG Grünstadt nach 1:32:53 h ins Ziel. Eva Stomporowski aus Landau wurde mit 1:34:11 h Dritte.

 

Zumindest gab’s im Ziel reichlich heißen Tee für alle und auch die Kuchentheke hatte man auf die hohe Teilnehmerzahl ausgerichtet – wenn auch teilweise mit gekauftem Kuchen. Wäre das aber der einzige Knackpunkt gewesen, hätte es richtig schön sein können. So bekommt der veranstaltende LC Hassloch von vielen Teilnehmern nur die Rute zu Nikolaus.

für laufreport im Dezember 2004